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Indien

Lernen unter freiem Himmel

Die Bildung von Kindern und Erwachsenen steht im Zentrum der Arbeit des LWSI in Orissa und Westbengalen. Foto: Jörg Böthling

Ein abendlicher Kurs bereitet Schulabbrecher darauf vor, in das staatliche Bildungssystem zurückzukehren. Foto: Jörg Böthling

"Ich möchte unbedingt wieder zur Schule gehen", sagt die 13-jährige Bandana Dalai. Foto: Jörg Böthling

"Seit wir uns um die Schulabbrecher kümmern, ist ihre Zahl in Sukna um ein Drittel zurückgegangen." Foto: Jörg Böthling

Jugendliche während des Unterrichts im LWSI Studien Center im Dorf Chaglakuri. Ihr Nachhilfelehrer ist Sarojakha Mondol (links im Bild). Foto: Jörg Böthling

Sandhya Orang und Pabita Orang auf dem Weg zur Reisernte. Sie sind Teilnehmer im Erwachsenenbildungskurs vom LWB Indien. Foto: Jörg Böthling

Die 18-jährige Punam Hembran arbeitet als Lehrerin für den LWSI. Foto: Jörg Böthling

Neben der Bildung fördert der LWSI auch die Ernährungssicherung der Menschen in Orissa und Westbengalen. Foto: Jörg Böthling

Purnima Bauri finanzierte ihre beiden Ziegen mit Kleinkrediten des LWSI. Foto: Jörg Böthling

Dank der Reis-Banken ist niemand mehr auf die teuren Kredite der Geldverleiher angewiesen. Foto: Jörg Böthling

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Die indische Wirtschaft boomt. Doch in vielen Regionen kommt der Aufschwung nicht an. In Westbengalen und Orissa bekämpft der Lutherische Weltdienst Indien Armut und Hunger durch ein umfassendes ländliches Entwicklungsprogramm. In dessen Mittelpunkt steht Bildung.

Auf diese beiden Stunden hat sich Bandana Dalai den ganzen Tag gefreut. Kerzengerade sitzt die 13-Jährige auf dem Boden, die großen Augen weit aufgerissen. Vor einer Tafel steht Kursleiterin Punam Hembran und notiert eine lange Reihe von Zahlen. Nur eine einzige Glühbirne beleuchtet das Open-Air-Klassenzimmer unter dem Vordach eines kleinen Wohnhauses.

Trotz der widrigen Umstände geht Bandana Dalai jeden Abend gern in den Kurs, der Schulabbrechern den Weg zurück ins staatliche Bildungssystem ebnen soll. „Ich möchte unbedingt wieder zur Schule gehen“, sagt sie. Denn nach der vierten Klasse verbot der Vater ihr den Besuch einer weiterführenden Schule. Der hätte umgerechnet zehn Euro Büchergeld pro Jahr gekostet, zuzüglich der Kosten für Schuluniform und -gebühr. Viel Geld für den Tagelöhner.

Im Schatten des Wirtschaftsbooms

Die Kurse für Schulabbrecher sind Teil eines von „Brot für die Welt“ unterstützten Programms des Lutherischen Weltdienstes Indien (LWSI) zur ländlichen Entwicklung in Orissa und Westbengalen. Über 80 Prozent der Bevölkerung dieser beiden Bundesstaaten leben auf dem Land, die Analphabetenrate liegt weit über dem indischen Durchschnitt. In Orissa können gerade einmal 30 Prozent der Frauen lesen und schreiben. Vom Wirtschaftsboom bekommen die Menschen in den Dörfern Ostindiens nur die Schattenseiten mit: Für den Abbau von Erzen und Kohle sowie die Ansiedlung verarbeitender Großindustrie werden viele Bewohner von ihrem Land verdrängt.

Bildung als Basis

Wer lesen und schreiben kann, versteht die Gebrauchsanweisung für Saatgut und Dünger, unterschreibt keine betrügerischen Verträge von Geldverleihern und kann ein Konto eröffnen. Vor allem aber kann er sich über seine Rechte informieren – und sie einfordern. Deswegen sitzt Bandana Dalai jeden Abend auf ihrem ausrangierten Reissack und schreibt Zahlenkolonnen von der Tafel ab. Wenn die 13-Jährige so weitermacht, wird sie später nicht als Tagelöhnerin arbeiten müssen. Und sie wird ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen können.

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