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Die meisten Mädchen im Norden Kameruns besuchen nie eine Schule oder müssen sie frühzeitig abbrechen, weil sie schon als Kind verheiratet werden oder der Familie zur Hand gehen müssen. Ein Lichtblick ist da die Initiative Avenir Femme: Sie hilft jungen Frauen, ihren Schulabschluss nachzuholen oder eine Ausbildung zu machen.
Clarisse Daiawe hörte zum ersten Mal bei einer Nachbarin von Avenir Femme (AF, "Zukunft für Frauen"). Die Aussicht, vielleicht eine Ausbildung zur Schneiderin machen zu können, ließ ihr Herz höher schlagen. Als Kind war sie fünf Jahre lang zur Schule gegangen. Doch als ihr Vater starb, musste sie den Schulbesuch abbrechen, um zum Lebensunterhalt ihrer großen Familie beizutragen. Die junge Frau überlegte: Ohne die Zustimmung eines männlichen Familienmitglieds konnte sie sich nicht für den Kurs anmelden. Überzeugen ließen sich ihre Brüder schließlich von dem Argument, dass sie als gelernte Schneiderin später einmal gut verdienen kann.
Initiative von engagierten Frauen
Avenir Femme wurde 1995 von sieben engagierten Frauen in Maroua gegründet, der wichtigsten Stadt in Kameruns Provinz "Äußerster Norden". "Wir wollten Mädchen helfen, nicht mehr so früh heiraten zu müssen", erklärt Estelle Madanagole, Lehrerin und Gründungsmitglied von AF. Mit 18 Schülerinnen fing die Organisation an. Heute sind es jedes Jahr bis zu 100 junge Frauen, die bei Avenir Femme Lesen und Schreiben lernen, einen Schulabschluss nachholen oder sich zur Schneiderin ausbilden lassen.
"Als ich das Projekt zum ersten Mal besuchte und sah, was den Mädchen hier in einem muslimischen Umfeld geboten wurde, war klar, dass wir diese Arbeit fördern müssen", erinnert sich Ulrich Gundert, Leiter der Programmabteilung bei "Brot für die Welt". "Nirgendwo sonst konnten muslimische Frauen in einem geschützten Umfeld einen Beruf erlernen oder einen Schulabschluss nachholen."
"Wir haben eine Flamme entzündet"
Abends sitzt Clarisse vor dem Gehöft ihrer Familie und wartet, bis auch der letzte Fisch verkauft ist. Sie ist müde, es war ein langer Tag für die 22-Jährige. Dennoch blickt sie mit Zuversicht in die Zukunft: Bald steht ihre Schneiderinnenprüfung an. In der Zwischenzeit spart sie für eine Nähmaschine, mit der sie anschließend zu Hause die ersten selbst entworfenen Kleidungsstücke nähen will. Ihr großer Traum ist ein eigenes Atelier auf dem Markt in Maroua. "Wir haben mit unserer Arbeit eine Flamme entzündet", sagt die Verwaltungsratsvorsitzende von AF, Moussa Tchitoya, treffend.