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Brot für die Welt

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25.02.2010

Ablass bei Elisabeth

Bisher kannte ich das Angebot nur aus dem sehr lange zurück liegenden Konfirmandenunterricht: Ablass vom drohenden Fegefeuer. Chef aller Ablasshändler war jener Finsterling Tetzel in der Mönchskutte. Sein skrupelloses Geschäft mit der Angst der Menschen brachte den anderen Mönch in Position: Superman Martin Luther. Wow! Sowas vergisst ein Dreizehnjähriger nicht.

Ich musste in meine Geburtsstadt Breslau reisen, um dort erstmals einem ernst gemeinten Ablassangebot für heutige Christenmenschen zu begegnen: Ja, ja es geht nach wie vor ums Fegefeuer bzw. dessen Vermeidung. Das Angebot ist in leicht korrekturbedürftigem Deutsch nachzulesen in der Elisabeth-Kirche am Breslauer Ring, der von Polen mit Geduld, Können und Anspruch wieder aufgebauten guten Stube der schlesischen Hauptstadt.

Wie jeder ordentliche Ablass hat der von St. Elisabeth/Breslau seine Zeiten und seine frommen Geschäftsbedingungen. Nein, nein, von Geld kein Sterbenswörtchen. Dafür von frommen Übungen wie Beichte, Gebet, Kommunion, Einvernehmen mit dem Papst – alles machbar. Das dicke Ende kommt nach. Kein Ablass ohne die Bereitschaft, der Sünde einschließlich aller schlechten Gewohnheiten den Laufpass zu geben. Unterm Strich klingt das irgendwie evangelisch, so in der Art „Ein Mensch Gottes werden, zu allem guten Werk geschickt“.

Nicht alle Kirchen Breslaus bieten einen Ablass. St. Elisabeth tut es, sofern Fegefeuervermeider bereit sind, an ihren schlechten Gewohnheiten zu arbeiten. Typisch Elisabeth, kommt es mir in den Sinn. Diese jung gestorbene Fürstenehefrau hatte ja den Hang zur Genauigkeit, wenn es um gerecht oder ungerecht ging. Nichts war mit „Fünfe gerade sein lassen“, schlechte Gewohnheiten einfach schluren lassen. Mit der Strenge der Jugend wollte sie wissen, woher Fleisch, Wein, Stoffe, Schmuck und all die anderen Dinge in ihrem fürstlichen Haushalt in Thüringen stammten: ob ehrlich erworben oder erpresst, geraubt, unterbezahlt. Der Überlieferung nach hat sie nichts angerührt, was den Geruch des Unrechts verströmte. Deshalb nennen wir sie heute die „Schutzpatronin des Fairen Handels“, so wie das Volk sich schon immer seine Heiligen gewählt hat.

An den schlechten Gewohnheiten arbeiten! Nicht um das Fegefeuer zu vermeiden. Wichtiger ist mir das Leid meiner Mitmenschen, die an Hungerlöhnen und Ausbeuterpreisen zu Grunde gehen. Um solches Unrecht zu entdecken, muss ich mich üben, genau hinsehen auf meine alltäglichen Gewohnheiten - einschließlich kaufen und liegen lassen. Wo die Fegefeuer-Fachleute von Breslau Recht haben, da haben sie Recht.

von Harald Rohr

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