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Brot für die Welt

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04.02.2010

Elefanten werden wild

Die ersten Elefanten meines Lebens waren – Hand aufs Herz – elende Kreaturen, damals vor vielleicht 60 Jahren. Einzelne weibliche Tiere, im Zoo auf engen Betontabletts gehalten, mit unübersehbaren Verhaltensstörungen. Das ist lange her und längst nicht mehr die Praxis guter Zoos.

Wer von den Grauen etwas erfühlen will, muss die Herde sehen, lange auf sich wirken lassen, am besten in ihrem natürlichen Lebensraum. Forscherinnen und Forscher können damit ein ganzes Leben füllen.

Elefanten? Das ist die Herde, ohne den einzeln lebenden großen Bullen zu nahe zu treten. Und die Herde braucht ihren Lebensraum, sei es in der afrikanischen Savanne oder in den Wäldern ihrer asiatischen Heimatländer. Ohne Lebensraum - genug Lebensraum - keine Elefantenherden.

So wirkt es wie verzweifelte Selbsthilfe, was wir im Januar 2010 von der Palmölarbeiter-Siedlung Libuk Kandis auf Sumatra/Indonesien hören. Erst kürzlich mitten im Elefantenlebensraum errichtet, wurden die Hütten jetzt von einer 70-köpfigen Herde niedergetrampelt. Immerhin, die Menschen konnten fliehen.

Wer auch nur das Wenigste weiß vom Ausverkauf, vom Verramschen der Restnatur auf Sumatra, dem kommt eine Science Fiction-Idee in den Sinn. Vielleicht haben die Elefanten ja auch im Auftrag der letzten Orang-Utans, zu deutsch „Waldmenschen“ gehandelt, denen die Palmöl-Mafia die letzten Bäume unter dem rotbraunen Fell weghaut.

Alles Unsinn, natürlich. Die Herde folgt einfach dem Erfahrungswissen, den Wegen, die die Leittiere für richtig halten. Und da war jetzt die Neusiedlung im Wege. Elefanten und Orang-Utans sind nun mal nicht so flexibel wie Manager, die ein Business wittern. Statt tierisches Verhalten zu vermenschlichen, müssen wir Menschen schleunigst handeln, so gut, so verantwortungsbewusst wie Menschen das vermögen.

70 Elefanten, wenn die Zahl in etwa stimmt, müssen ein erheblicher Teil der Restpopulation von Sumatra-Elefanten sein. Ein kostbares Naturerbe der ganzen Menschheit, wie wir bei solchen Gelegenheiten gern beteuern.

Und das bewahren wir nicht allein mit gelegentlichen Spenden an Naturschutz- oder Entwicklungsorganisationen. Denn das globale Palmölgeschäft zielt direkt auf unseren Egoismus, auf unsere blinden Instinkte.  Autofahren und auch sonst mit Energie aasen, wie bisher, nur eben „öko“, gestützt auf die Agrartreibstoffe aus dem Süden der Welt. Sagen wir dazu nicht lauthals ‚nein‘, privat wie politisch, können wir uns Tränen um die Elefanten von Sumatra sparen.

von Harald Rohr

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