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Ubuntu ist eine afrikanische Philosophie für das Zusammenleben der Menschen. Bischof Desmond Tutu ist bekannt dafür, dass er diese Art des Denkens nachdrücklich und voller Überzeugung vertritt. Bei einem Interview wurde er gebeten, Ubuntu für Jugendliche zu erklären. „Wie viel Zeit habe ich dafür?“ fragte er. „Vier bis fünf Minuten“! Er lachte, faltete die Hände, versank in ein kurzes Gebet und konzentrierte sich. „Na , dann los“, sagte er.
„Ubuntu bedeutet: Ich brauche dich, um ich selbst sein zu können. Genauso wie du mich brauchst, um du selbst sein zu können. Auf diese Weise sind wir miteinander verbunden. Dies ist so, weil ich sonst nicht wüsste, wie man als Mensch spricht, wie man als Mensch aufrecht geht, wie man als Mensch denkt – all diese Dinge lerne ich von anderen Menschen. Deshalb brauche ich tatsächlich andere Menschen, um selbst Mensch sein zu können.
Kurz und bündig können wir sagen: Eine Person wird erst durch andere Personen zu einer Person. Wirklich, Du und ich und alle von uns sind Mitglieder einer Familie. Du kannst das gut verstehen. Du bist mein Bruder, sie ist deine Schwester. Die Menschen auf der ganzen Welt sind Mitglieder der einen menschlichen Familie – egal ob ihre Hautfarbe dunkel ist wie meine oder hell wie deine. Du möchtest deine Schwestern oder deinen Bruder nicht verletzen.
Du trittst nicht nach der Schwester deines Bruders. Du möchtest nicht, dass sie nach dir treten. Und es passiert gewöhnlich nicht in einer Familie, dass Brüder und Schwestern sich gegenseitig töten oder in irgendeiner Form Gewalt gegeneinander ausüben. Wenn solche Dinge geschehen, dann ist in der Familie etwas nicht in Ordnung.
Deshalb, ihr jungen Menschen: Die Zukunft dieser Welt liegt in eueren Händen. Ob die Welt voller Mitgefühl sein wird oder voll von Lieblosigkeit – ein grausamer Gedanke. Das hängt von euch ab. Wird die Welt zukünftig so sein, dass ihr wünscht, dort mögen eure Kinder aufwachsen? Eine Welt voller freundlicher, mitfühlender und sanftmütiger Menschen? Ihr werdet es entscheiden. Es liegt in euren Händen.“
Das Interview führte U. Jäger, Institut für Friedenspädagogik