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niemand is(s)t für sich allein
Risiko oder Chance für Kleinbauern?

Agroenergie-Debatte

Brasilien: Pflanzengifte werden mit Leichtflugzeugen verspritzt. 
Foto: Florian Kopp

In Zeiten stetig steigender Benzinpreise und eines wachsenden Energiehungers erscheinen sogenannte "Biotreibstoffe" als Hoffnungsträger für die Zukunft der Energiegewinnung. Vor allem für die Entwicklungsländer werden Agrartreibstoffe als große Chance für zusätzliche Einkommensquellen und damit Entwicklung angesehen. Doch der steigende Bedarf birgt auch eine Reihe von Gefahren für sie.

In Bio ist nicht Bio drin
Schon die Vorsilbe "Bio-" ist irreführend. Der Begriff "Agrartreibstoffe" erscheint uns wesentlich geeigneter, um auszudrücken, wie eng sie mit der globalen Agrarindustrie, dem Weltagrarhandel und der Ernährungssicherung in Verbindung stehen. So kann der Anbau von Energiepflanzen zu einer großflächigen Wiedereinführung von Monokulturen führen, die überwiegend auf großen Plantagen angebaut werden, unter massivem Einsatz von Wasser, Düngern und Pestiziden und oft unter Missachtung grundlegender sozialer Rechte der dort arbeitenden Bevölkerung. Entgegen der oft angeführten Behauptung, für den Anbau von Agrartreibstoffen würden überwiegend Brachflächen genutzt, zeigt sich, dass vielerorts Wälder abgeholzt, Kleinbauern und Viehzüchter von ihrem Land vertrieben werden. Damit begünstigen Agrartreibstoffe Bodenerosion und Dürre, bedrohen die lokale Biodiversität und die Wasserversorgung und gefährden letztlich die Existenz der lokalen Bevölkerung.

Nahrungsmittelpreise steigen
Da sich der Anbau der Energiepflanzen oft nur mit hohen Investitionen und im großen Maßstab rentiert, stellt diese Form der Landwirtschaft für die Masse der Kleinbauern keine Einkommensalternative dar. Vom Boom der Agrartreibstoffe profitieren überwiegend große internationale Konzerne und lokale Eliten. Der zunehmende Handel mit Pflanzenrohstoffen, die gleichzeitig als Grundnahrungsmittel dienen, koppelt außerdem die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise eng an die der Energiepreise. Dies treibt letztendlich die Nahrungsmittelpreise weltweit in die Höhe und trägt so zu Hunger und Armut bei.

Volle Tanks statt volle Mägen?
Angesichts der vielfältigen  Gefahren, ist es notwendig, jegliche Ausweitung des Anbaus oder der Verwendung von Agrartreibstoffen genau daraufhin zu prüfen, welche Auswirkungen sie auf die Menschen in den Entwicklungsländern hat. Gemeinsam mit den Mitgliedern im elektronischen Lobbynetzwerk der Kampagne "Niemand isst für sich allein" fordert von "Brot für die Welt"  in dem Lobbynetzwerk Nr. 1 die  Bundesministerin auf, folgende Punkte in ihrer Politik zu berücksichtigen:

  • Einen Konflikt "volle Tanks statt volle Mägen" darf es nicht geben. Der Anbau von Nahrungsmitteln muss Vorrang gegenüber der Energiegewinnung haben. Die Rechte von Kleinbäuerinnen und -bauern und ihre Lebensgrundlagen müssen geschützt werden.

  • Zwangsumsiedlungen und Rodungen müssen vermieden werden. Eine Ausdehnung der Anbauflächen für Biomasse darf unter keinen Umständen zu einer Zerstörung intakter Naturräume führen. In diesem Sinne sollten die Beimischungsquoten des Biokraftstoffquotengesetz hinterfragt und die stufenweise Erhöhung kritisch begleitet werden.

  • Bisher entwickelte Nachhaltigkeitszertifizierungen für Agrartreibstoffe müssen neben hohen ökologischen Standards auch überprüfbare soziale Mindeststandards enthalten.

  • Die Nutzung der Bioenergie muss in unserem Land mit einer Steigerung der Energieeffizienz und einer Senkung des Energieverbrauchs einhergehen, wenn sie nachhaltig sein soll.
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