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Biosprit statt Nahrung?
Der Zugang zu Land ist für den überwiegenden Teil der mehr als eine Milliarde hungernder Menschen überlebenswichtig. Doch immer mehr Entwicklungsländer stellen riesige Landflächen in- und ausländischen Firmen zur Verfügung. Auf diesen Feldern wird dann nicht Essen für die Menschen im Land angebaut, sondern es wachsen Agrarprodukte für den Export. Seit 2006 wurden so 50 Millionen Hektar Land vergeben. Diese neue Form der Landnahme – „Landgrabbing“ genannt – verschärft die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen. Die Zahl der Hungernden droht weiter zu wachsen.
Der Konsum in den wohlhabenden Ländern sorgt dafür, dass in Entwicklungsländern Land immer knapper wird. Anbauflächen für Futtermittel nehmen dort bereits heute 30 Prozent des Landes in Beschlag – und der steigende Fleischkonsum in vielen Schwellenländern schraubt den Bedarf weiter nach oben. Ein Gedankenspiel: Wollten alle Menschen so viel Fleisch essen wie wir in Deutschland, bräuchten wir einen zweiten Planeten, um das Futter für die Nutztiere anzubauen.
Auch die politisch gesetzten Vorgaben tragen dazu bei, dass sich die Lage zuspitzt: Ethanol aus „Energiepflanzen“ wird Benzin beigemischt, und Raps-, Soja- und Palmöl kommen zum Diesel dazu – Experten rechnen damit, dass im Jahr 2020 weltweit bis zu 166 Millionen Hektar Land gebraucht werden, um die „Bio-Kraftstoffe“ zum Beimischen anzubauen.
Längst ist klar, dass sich unser übermäßiger Konsum negativ auf Menschen und Umwelt auswirkt. Für Agrartreibstoffe haben die Europäische Union und Deutschland Nachhaltigkeitskriterien für die Produktion und Verarbeitung von Energiepflanzen entwickelt. Dies ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung – doch er reicht bei weitem nicht aus. Denn für echte Nachhaltigkeit fehlen soziale Kriterien, die sicherstellen, dass der Anbau von Pflanzen für „Bio-Sprit“ das Recht auf Nahrung nicht gefährdet. Die Gesetzgeber müssen hier dringend nachbessern. Ohnehin sollten sich alle Agrarprodukte – also auch Tierfutter und Produkte für die Industrie und andere Importe – an öko-sozialen Standards messen lassen.
Damit sich etwas bewegt, müssen die Menschen Druck auf Politik und Erzeuger machen.
Die Kampagne "Niemand isst für sich allein" fordert:
Unterstützen Sie uns und unsere Partner mit Ihrem Engagement für das Thema.
Wir haben Broschüren und Mustervorträge auf CD ROM zu dem Thema "Landraub" entwickelt. Eine Material-Auswahl finden Sie hier.
Auch beraten wir Sie gerne, was Sie in Ihrer Gemeinde oder in Ihrem Wirkungskreis konkret tun können.
Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.
Kontakt: ernaehrung@brot-fuer-die-welt.de